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15.10.2007

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 



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Harleys Macho-Bike
Bereits von 1979 bis ’82 hatte Harley eine Fat Bob im Programm. Schon damals galt sie als Bike für echte Macho-Typen. Von der FXEF genannten Urahnin hat das aktuelle Modell aber nur den Namen geerbt. Es ist laut Harley die Maschine, die die Männer von den Knaben trennt. Grund genug für uns, dem Bike auf den Zahn(riemen) zu fühlen.
Neben der Street Bob, die bereits seit dem Modelljahr 2006 auf ultimatives Rockerbike macht, ist die Fat Bob nun die zweite Dyna, die in diese Richtung zielt. Doch im Gegensatz zur langgabeligen Schwester ist sie, dank zehn Zentimeter kürzerem Radstand,bedeutend fahraktiver. Die geschlitzten 16-Zoll-Scheibenräder tragen speziell für die Fat Bob entwickelte Reifen mit auffälligem Block-Profil. Der vordere kommt in wuchtigem 130er-Format, der hintere ist mit 180 mm nur moderat breiter. Beste Voraussetzungen also für gute Fahrbarkeit. Die wollen wir nun endlich testen und nehmen Platz im stark konturierten Sitz. Die bequeme Position mit den Füßen auf den vorverlegten Fußrasten, in Verbindung mit dem flachen Dragstyle-Lenker, sorgt für Vorfreude auf kurvige Straßen. Also starten wir den 1584 ccm-Motor. Der ist, wie bei den Dyna-Modellen üblich, in Gummi gelagert und wird durch eine Einspritzanlage mit Futter versorgt. Im Stand hält er sich mit Vibrationen angenehm zurück. Doch kaum reißen wir am leichtgängigen Gashahn, ändert sich das. Beim Beschleunigen sind die „Good Vibrations“ vor allem im Bereich der Fußrasten zu verspüren. Bei forcierter Fahrweise können die Füße schon mal von den Rasten gerüttelt werden. Da machen sich die fehlenden Ausgleichswellen bemerkbar, die wir aber nicht wirklich vermissen. Auch beim Gaswegnehmen sind im Schiebebetrieb deutliche Vibrationen zu spüren, was allerdings durchaus positiv zu bewerten ist, schließlich kauft man sich einen Harley Big Twin gerade wegen dieser geilen „Vibrations“. Wer die nicht will, kann sich ja ein japanisches Multizylinder-Bike kaufen und darauf vor Langeweile sterben. Virile Lebensäußerungen sind also sehr willkommen. Die kommen auch vom Sechsganggetriebe, dass recht schwergängig zu bedienen ist und das Begehren von Gangwechseln mit lauten Schaltschlägen quittiert
Während Rahmen und Motor bei diesem Modell immer schwarz ausgeliefert werden, kann sich der Käufer beim eigentlichen Lack zwischen sieben Farbtönen entscheiden
Schon im Stand macht die FXDF einen potenten Eindruck. Noch dazu im mattschwarzen Look unserer Testmaschine. Wobei es sich eigentlich um drei Versionen von Schwarz handelt. Tank und Fender tragen einen Mattlack mit der Bezeichnung „Black Denim“, Rahmen, Schwinge und Gabeltauchrohre dagegen sind in glänzendes Schwarz getaucht. Die Motor/Getriebe-Einheit wiederum ist in schwarzem Schrumpflack gehalten. Während Rahmen und Motor bei diesem Modell immer schwarz ausgeliefert werden, kann sich der Käufer beim eigentlichen Lack zwischen sieben Farbtönen entscheiden. Auffällig dabei ist, dass drei davon Schwarz sind. Das ist unserer Meinung nach auch die passendste Wahl für dieses Bike, schließlich gehört die Fat Bob in die äußerst beliebte Reihe der „Dark Customs“, die mit einem „Bad Guy“-Image vom Fließband rollen.
Als Powercruiser liegt ihr Metier in den weitläufigen urbanen Peripherien unserer Städte
Im Fahrbetrieb erfreut die gute Ergonomie und insbesondere die stark ausgeprägte Sitzkuhle. Sie sorgt für sicheren Halt, wenn die 127 Nm Drehmoment, die Harley angibt, voll am Toben sind. Aber die Fat Bob ist kein Motorrad, das auf geraden Strecken bis zur Höchstgeschwindigkeit geprügelt werden will. Als Powercruiser liegt ihr Metier in den weitläufigen urbanen Peripherien unserer Städte und vor allem auf gut ausgebauten, kurvigen Landstraßen. Und genau dort haben wir sie auch getestet. Der Odenwald ist quasi unser Vorgarten, und auf unseren Hausstrecken zeigte diese Harley erstaunliches Potential. Durch die vergleichsweise „schmalen“ Sechszehnzöller gibt sich das 320-Kilo-Schwergewicht während der Fahrt ultrahandlich, die Kilos sind dann wie weggeblasen. Wir konnten den dicken Bob trotz vorverlegter Rasten sehr beherzt durch die Botanik zirkeln, die machbare Schräglage ist für eine Harley-Big Twin erstaunlich. So macht Fahren Spaß. Wenn es der Fall sein sollte, dass die Marketingleute 1991 bei der Einführung der Modellreihe „Dyna“ die Assoziation zu „Dynamik“ herstellen wollten, so macht die aktuelle Fat Bob ihrem Familiennamen alle Ehre. Selbst die Bremsen, bei Harley traditionell eine Problemzone, können überzeugen. Zumindest die vordere Anlage mit zwei schwimmend gelagerten Scheiben nahm ihren Auftrag sehr ernst.
Wer „Good Vibrations" nicht steht, kann sich ja ein japanisches Multizylinder-Bike kaufen und darauf vor Langeweile sterben
Dieses Bike ist in der Lage, Fahrer von Fremdfabrikaten positiv zu überzeugen, die vom wenig sportlichen Image der Marke bisher abgeschreckt wurden. Und wenn dann, neben den technischen Aspekten, auch noch die Optik stimmt, erstaunt es nicht weiter, dass Harley mit der Fat Bob einen weiteren Verkaufsschlager im Programm hat. Sicher hätten die Erbauer in Milwaukee noch die eine oder andere Verbesserung vornehmen können. Der etwas zu lang geratene Bobtail-Heckfender ist sicher ebenso Geschmacksache wie die frei sichtbaren Kabel, die zwischen den schwarzen Risern aus dem Edelstahl-Lenker austreten. Der auffällige Doppelscheinwerfer soll sportliche Aggressivität symbolisieren, was manchem schon wieder zu übertrieben erscheinen mag. Doch schließlich will und soll der Kunde ja auch noch Spielraum für die Individualisierung seines Bikes haben. Einige Customizer waren da schnell und haben bereits Umbau-Parts entwickelt. Wir jedenfalls sind uns sicher, dass der aktuellen Version des Dicken Robert eine deutlich längere Produktionszeit beschieden sein wird als dem Namensvetter Anfang der 80er Jahre.
Text: Jens Müller
Foto: Volker Rost
Quelle: DREAM-MACHINES 4/08.
Mit freundlicher Genehmigung
Fetter Robert
Der kurze Lenker macht
das Bike sehr handlich
Harleys Fat Bob trennt die Buben
von richtigen Männern
Böser Blick: Doppelleuchte in
Chromfassung